Tiefer blicken: Roloef van Straten und die Ikonographie Wer kennt sie nicht; die kleinen Details in Kunstwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts; die auf den ersten Blick so alltáglich vertraut wirken und das reizende Ambiente einer háuslichen Szenerie zu bilden scheinen? Nach dem zweiten; kunsthistorisch geschárften Blick; zeigen sie sich dann oft als Bedeutungstráger; die den früheren Eindruck geradezu konterkarieren. Ein halb gefülltes Glas; Blumen; Seifenblasen und Kerzen etwa sollen; so verdeutlicht van Straten in eindringlicher Weise; in Stilleben keineswegs Behaglichkeit verbreiten; sondern auf die Vergánglichkeit der Welt (Vanitas) hinweisen. Was bei Stilleben weitgehend bekannt und deshalb einfach decodierbar ist; prágt die Kunst vor; weniger nach dem 19. Jahrhundert; weitgehend. Das Dargestellte ist ohne Vorkenntnisse für den modernen Betrachter nicht mehr in seinen Konnotationen erkennbar. Es wimmelt von Personifikationen; Allegorien und Symbolen -- und ohne ihre Kenntnis bleibt die Annáherung an das Bild beliebig. Die Kunstgeschichte bescháftigt sich in der Ikonographie mit diesen Phánomenen. In Roelof van Stratens Einführung liegt nun ein bewáhrter Wegweiser in das etwas unübersichtlich gewordene Feld in zweiter Auflage vor. Auf 165 Seiten gelingt es van Straten; einen anschaulichen und immer verstándlichen Ìberblick zu geben. Nach Reflexionen über die Ausgangsfrage 'Was ist Ikonographie?' erklárt er im ersten; theoretischen Teil des Buches die vieldeutigen Begriffe der Personifikation; der Allegorie und des Symbols. Mag dem Fachmann hier manches etwas zu einfach erscheinen; so wird sich der kunsthistorische Anfánger oder der interessierte Laie über die prázise Konzentration auf das Wesentliche freuen. Im zweiten; 'praktischen' Teil gibt van Straten dann dem Leser Hilfsmittel an die Hand; seine ikonographischen Kenntnisse durch Eigenstudien zu erweitern. So werden nach den wichtigsten literarischen Quellen zur bildenden Kunst; ikonographische Handbücher und Fotosammlungen genannt und letzlich auf die Iconclass-methode hingewiesen. Van der Stratens Buch führt also in die Grundbegriffe der Ikonographie ein und gibt nützliche Hinweise für weitere Lektüren. Für alle; die sich zum ersten Mal ikonographischen Fragestellungen zuwenden; ist es daher bestens geeignet. --Jürgen Dendorfer
Sunday, August 19, 2018
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Tiefer blicken: Roloef van Straten und die Ikonographie Wer kennt sie nicht; die kleinen Details in Kunstwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts; die auf den ersten Blick so alltáglich vertraut wirken und das reizende Ambiente einer háuslichen Szenerie zu bilden scheinen? Nach dem zweiten; kunsthistorisch geschárften Blick; zeigen sie sich dann oft als Bedeutungstráger; die den früheren Eindruck geradezu konterkarieren. Ein halb gefülltes Glas; Blumen; Seifenblasen und Kerzen etwa sollen; so verdeutlicht van Straten in eindringlicher Weise; in Stilleben keineswegs Behaglichkeit verbreiten; sondern auf die Vergánglichkeit der Welt (Vanitas) hinweisen. Was bei Stilleben weitgehend bekannt und deshalb einfach decodierbar ist; prágt die Kunst vor; weniger nach dem 19. Jahrhundert; weitgehend. Das Dargestellte ist ohne Vorkenntnisse für den modernen Betrachter nicht mehr in seinen Konnotationen erkennbar. Es wimmelt von Personifikationen; Allegorien und Symbolen -- und ohne ihre Kenntnis bleibt die Annáherung an das Bild beliebig. Die Kunstgeschichte bescháftigt sich in der Ikonographie mit diesen Phánomenen. In Roelof van Stratens Einführung liegt nun ein bewáhrter Wegweiser in das etwas unübersichtlich gewordene Feld in zweiter Auflage vor. Auf 165 Seiten gelingt es van Straten; einen anschaulichen und immer verstándlichen Ìberblick zu geben. Nach Reflexionen über die Ausgangsfrage 'Was ist Ikonographie?' erklárt er im ersten; theoretischen Teil des Buches die vieldeutigen Begriffe der Personifikation; der Allegorie und des Symbols. Mag dem Fachmann hier manches etwas zu einfach erscheinen; so wird sich der kunsthistorische Anfánger oder der interessierte Laie über die prázise Konzentration auf das Wesentliche freuen. Im zweiten; 'praktischen' Teil gibt van Straten dann dem Leser Hilfsmittel an die Hand; seine ikonographischen Kenntnisse durch Eigenstudien zu erweitern. So werden nach den wichtigsten literarischen Quellen zur bildenden Kunst; ikonographische Handbücher und Fotosammlungen genannt und letzlich auf die Iconclass-methode hingewiesen. Van der Stratens Buch führt also in die Grundbegriffe der Ikonographie ein und gibt nützliche Hinweise für weitere Lektüren. Für alle; die sich zum ersten Mal ikonographischen Fragestellungen zuwenden; ist es daher bestens geeignet. --Jürgen Dendorfer
Tiefer blicken: Roloef van Straten und die Ikonographie Wer kennt sie nicht; die kleinen Details in Kunstwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts; die auf den ersten Blick so alltáglich vertraut wirken und das reizende Ambiente einer háuslichen Szenerie zu bilden scheinen? Nach dem zweiten; kunsthistorisch geschárften Blick; zeigen sie sich dann oft als Bedeutungstráger; die den früheren Eindruck geradezu konterkarieren. Ein halb gefülltes Glas; Blumen; Seifenblasen und Kerzen etwa sollen; so verdeutlicht van Straten in eindringlicher Weise; in Stilleben keineswegs Behaglichkeit verbreiten; sondern auf die Vergánglichkeit der Welt (Vanitas) hinweisen. Was bei Stilleben weitgehend bekannt und deshalb einfach decodierbar ist; prágt die Kunst vor; weniger nach dem 19. Jahrhundert; weitgehend. Das Dargestellte ist ohne Vorkenntnisse für den modernen Betrachter nicht mehr in seinen Konnotationen erkennbar. Es wimmelt von Personifikationen; Allegorien und Symbolen -- und ohne ihre Kenntnis bleibt die Annáherung an das Bild beliebig. Die Kunstgeschichte bescháftigt sich in der Ikonographie mit diesen Phánomenen. In Roelof van Stratens Einführung liegt nun ein bewáhrter Wegweiser in das etwas unübersichtlich gewordene Feld in zweiter Auflage vor. Auf 165 Seiten gelingt es van Straten; einen anschaulichen und immer verstándlichen Ìberblick zu geben. Nach Reflexionen über die Ausgangsfrage 'Was ist Ikonographie?' erklárt er im ersten; theoretischen Teil des Buches die vieldeutigen Begriffe der Personifikation; der Allegorie und des Symbols. Mag dem Fachmann hier manches etwas zu einfach erscheinen; so wird sich der kunsthistorische Anfánger oder der interessierte Laie über die prázise Konzentration auf das Wesentliche freuen. Im zweiten; 'praktischen' Teil gibt van Straten dann dem Leser Hilfsmittel an die Hand; seine ikonographischen Kenntnisse durch Eigenstudien zu erweitern. So werden nach den wichtigsten literarischen Quellen zur bildenden Kunst; ikonographische Handbücher und Fotosammlungen genannt und letzlich auf die Iconclass-methode hingewiesen. Van der Stratens Buch führt also in die Grundbegriffe der Ikonographie ein und gibt nützliche Hinweise für weitere Lektüren. Für alle; die sich zum ersten Mal ikonographischen Fragestellungen zuwenden; ist es daher bestens geeignet. --Jürgen Dendorfer
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